Eingesprungen und überzeugt: der junge polnische Dirigent Krzysztof Urbanski brachte zum Zykluskonzert nicht nur einige Smetana-Schmankerl, sondern auch ein rassiges Werk von Wojciech Kilar zur Aufführung. Martin Helmchen überraschte dazu mit einem sehr schlanken Beethoven.
Alexander Keuk
Im letzten Jahr fanden bei der Sächsischen Akademie der Künste einige Veranstaltungen zu Ehren des 400. Geburtstages des sächsischen Barockdichters Paul Fleming (1609-1640) statt. Ein Abend mit fünf Vokal-Uraufführungen auf Texte des Dichters bildete nun den Abschluss. Die Quintessenz dieses Konzertes war vor allem die gute Erkenntnis, dass es viele verschiedene Wege der Annährung an den Dichter gibt. Manchmal legt die Musik sogar etwas frei, was jenseits der Beschreibbarkeit und der Zeiten liegt. Genau dann wird das Fremde nah und was sich hinter barocker Fassade verbirgt, sind vermutlich viel größere und wichtigere Anliegen.
Faszinierend und berührend ist es oft, wenn Menschen in die Natur hineinhorchen. Mittels moderner Sonartechnik ist es heute möglich, antarktischen Gewässern "zuzuhören". Bewegungen von Wasser und Wind werden ebenso hörbar gemacht wie Tiere, die wir normalerweise nicht hören können. In Hellerau kam nun ein Werk von Gérard Grisey zur Aufführung, das sich mit Neutronensternen beschäftigt.
Ein "sangesfrohes Völkchen" wurde dem Erzgebirge schon 1902 bescheinigt. Doch widmet man sich der Geschichte, insbesondere der Musikgeschichte südwestlich des Elblaufes in Sachsen, so meint man eine Schatzkammer zu betreten. Diese Schätze wird nun das Musikfest Erzgebirge, das im Herbst 2010 erstmals stattfindet, heben und die Region mit dem Klang (nicht nur) seiner Tradition füllen.
Heiligabend im Kreise der Lieben verbringen, dieser Wunsch ging für 29 Sänger des Dresdner Kammerchores in diesem Jahr nicht in Erfüllung. Stattdessen erklärten sie sich bereit, bei einer besonderen Gastspielreise mitzuwirken: mit dem Weihnachtsoratorium ging es zu mehreren Aufführungen nach Israel.
1972 in St. Petersburg geboren, zählt der als „Genie am Klavier“ gefeierte Arcadi Volodos zu den herausragendsten Pianisten unserer Zeit. Seine letzte CD mit Werken von Franz Liszt erhielt den Diapason d’Or und den Echo Klassik. Bei der Staatskapelle Dresden gastiert Arcadi Volodos zum ersten Mal und wird das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms vorstellen.
Wer in diesem Jahr den Dresdner Kammerchor mit dem Weihnachtsoratorium erleben will, muss etwas weiter weg fahren. Oder besitzt einen Satellitenanschluss. Aber das dürfte sich lohnen, denn mit der Reise nach Israel und Palästina setzen die Musiker ein Zeichen. Von geschichts- und konfliktträchtigem Boden aus soll die Weihnachtsbotschaft des Friedens unter den Menschen und Völkern in die Welt hinaus klingen.
In Musik gesetzte Philosophien, Konversationsstücke und Glühwein, das ging am zweiten Adventswochenende nicht unbedingt gut zusammen. So ließen sich die Massen von den offenen Türen des Kulturpalastes am Sonnabend kaum verführen: Stollen statt Strauss war die Devise.
Mut und Offenheit gegenüber zeitgenössischen Künsten bewies, wer am Mittwochabend die Premiere des Mittelsächsischen Theaters in Freiberg besuchte. Denn mit Benjamin Schweitzers "Dafne" stand ein zeitgenössisches Musikwerk auf dem Programm, dessen Realisierung und fragmentarische Spezifik jenseits aller bekannten Genres dem Zuhörer einiges abverlangte.